(Wien, 17.02.2020) Der Verein JOAN ROBINSON (Verein zur Förderung frauengerechter Verteilung ökonomischen Wissens) und WIDE (Entwicklungspolitisches Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven) erklären sich solidarisch mit den Beschäftigten in der Sozialwirtschaft.

Care-Arbeit ist Gradmesser für das zivilisatorische Niveau unserer Gesellschaft!

Die Qualität und Verfügbarkeit von Sorge-, Betreuungs-, und Pflegeleistungen, sowie entsprechende Rahmenbedingungen und Bezahlung für die Menschen, die diese Arbeit leisten, ist ein Gradmesser für das zivilisatorische Niveau eines Gemeinwesens.

WIDE-Presseaussendung als pdf

„Wir Frauen des Vereins JOAN ROBINSON haben es uns zur Aufgabe gemacht, auf die Genderblindheit der Mainstream-Ökonomie und damit verbunden auf die Geringachtung der Ökonomie der Grundversorgung aufmerksam zu machen“ so Edeltraud Novy, Obfrau des Vereins JOAN ROBINSON.

Investitionen in ein nachhaltiges Care-System sind eine tragende Säule eines funktionierenden Sozialstaates!

Weil wir um die Bedeutung der Care-Ökonomie für jeden Menschen und für die Volkswirtschaft wissen, solidarisieren wir uns mit dem Arbeitskampf der Beschäftigten in der Sozialwirtschaft. Deren Arbeit ist die tragende Säule eines funktionierenden Sozialstaats und ihre gute Entlohnung eine wichtige Investition in den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens, die sich auch ökonomisch rechnet.

Die speziell für Österreich typische Familialisierung der Care-Arbeit, die meist von Frauen unbezahlt geleistet wird, hat dazu geführt, dass die Arbeit in der Sozialwirtschaft oft unter ausbeuterischen Bedingungen geleistet werden muss. Auch dort sind Frauen überproportional vertreten. Eine demokratische und solidarische Gesellschaft muss sich die Frage stellen, wie Betreuungsarbeit bewertet und abgegolten wird und wie lange die zumutbare Arbeitszeit in diesem Bereich sein kann.

Gute vorsorgende und versorgende Care-Arbeit kommt allen zu Gute.

Das derzeit eher „sorglose“ Wirtschaftssystem muss in ein sorgendes System gewandelt werden. Dazu braucht es eine Neubewertung von gesellschaftlich wichtigen Arbeiten. Der Staat hat die Grundverantwortung für das Sichern der Standards in der Care-Arbeit zu tragen. Dafür können die Effektivitäts- und Effizienzanforderungen, die für die Industrieproduktion gelten, kein Maßstab sein. Care-Arbeit mit und an Menschen lässt sich weder in Zeitabläufen noch in der Wirksamkeitsmessung mit der Güterproduktion vergleichen. Sie ist kaum rationalisierbar und auch nicht in ein enges Zeitkorsett zwängbar. Deshalb ist diese Arbeit für die Gesellschaft teuer.

Diese Arbeit ermöglicht aber erst alle anderen wirtschaftlichen Aktivitäten. Deshalb profitieren von einer guten, vorsorgenden und versorgenden Care-Arbeit alle, die Gesellschaft insgesamt, aber auch die gemeinnützigen und gewinnorientierten Unternehmen. Und da diese Arbeit der gesamten Bevölkerung zu Gute kommt, müssen für ihre Kosten auch alle Bürgerinnen und Bürger entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit durch Steuermittel aufkommen. Die Versorgung mit Care-Arbeit ist ein Menschenrecht und jene, die diese Arbeit leisten, müssen die gesellschaftliche, monetäre und arbeitsrechtliche Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht.

Die Vorstandsfrauen des Vereins JOAN ROBINSON
Verein zur Förderung frauengerechter Verteilung ökonomischen Wissens
Traude Novy
Luise Gubitzer
Milena Müller-Schöffmann
Ursula Dullnig
Birgit Henökl-Mbisi
Janine Wurzer
Gerhild Trübswasser

Für Rückfragen:
Traude Novy und Janine Wurzer
WIDE - Entwicklungspolitisches Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven
Tel: (++43-1) 317 40 31, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.wide-netzwerk.at
ZVR-Zahl: 626905553